Abt.: Thermomix

Grainfather

Was gibt es an einem kalten Wintertag schöneres, als in der warmen Küche zu sitzen und ein leckeres Bier zu brauen?

Ich schicke jetzt mal die Flüche vorweg: Herrschaftskreuzmalzverdamichhopfenmistnocheinmal.
So, jetzt geht es mir besser.

Warum so? Lasst mich von Anfang an erzählen.

Nach einiger Recherche, Beratung mit Wissenden und finanzieller Abwägung steht er endlich in der Küche: Der Grainfather. Der feuchte Traum des Hobbybrauers.

Oder der Thermomix für Leute, die nicht brauen können... aber so tun als ob. Egal.

Nach etwas Bastelarbeit steht er also da und wartet auf seinen ersten Einsatz. Die Gebrauchsanleitung - auf Englisch und sehr gestrafft - beschreibt etwa das, was sich einem aufmerksamen Beobachter auch ohne Beschreibung erschließt. Warum auch nicht. Muss ja nicht kompliziert sein.

Dann also los. Rezepte, App-Steuerung und Bluetooth spare ich mir im ersten Anlauf. Schließlich habe ich ein Rezept und möchte damit ein Gefühl für das Gerät entwickeln.

Wasser in den Topf. Heizelement einschalten. 50 Grad brauche ich für das Einmaischen. 50 Grad werden in erstaunlich kurzer Zeit erreicht. 50 Grad werden - und ich habe mir Zeit mit dem Einmaischen gelassen - zuverlässig gehalten. Das ist für mich neu. Habe ich doch schon mit vier unterschiedlich großen und professionellen Anlagen gearbeitet, keine hat die Zieltemperatur zuverlässig erreicht und gehalten.

Mit einem angenehm beruhigten Gefühl fülle ich das Malz in das Malzrohr und versenke beides in den Grainfather. Ein Kinderspiel.

Einmaischen, erste Rast, zweite Rast. Allein die Tatsache, dass ich nicht auf Automatik gegangen bin, verlangt von mir ein Auge auf Temperatur und Zeit zu haben. Gebe ich das Rezept ein und lasse die Automatik machen, ich könnte in die Badewanne oder zum Einkaufen gehen.

Jodprobe hat sich etwas gezogen. Dafür mache ich mal das Rezept und nicht den Topf verantwortlich.

Jod normal und ab geht's zum Läutern. Nichts ist mit Läuterruhe. Da muss sich kein Malz zum Treberkuchen verdichten. Malzrohr aus dem Kessel ziehen. Nachguss nachgießen. Fertig.

Hm. Ich glaube, da muss ich noch mal bei. Weder sehe ich ob und wie klar die Würze läuft, noch kann ich zuverlässig erlauschen, wann der Nachguss durch ist. Ich denke, wenigstens eine Mass geht da schon abhanden.

Nun die Würze sieden und den Hopfen zugeben. Erfahrene Würzepumpennutzer werden sich jetzt die Haare raufen und sich denken, "klar, wenn ich so einen Quatsch mache, dann müsste ich ebenso fluchen".

Für alle anderen: Ich war es gewohnt, den Hopfen direkt in die Würze zu geben. Am Ende der Kochzeit einen mehr oder weniger eleganten Whirlpool, der Hopfen, Trub und Dinge zu einem ebenfalls mehr oder weniger gelungenen Trubkegel verdichtet und dann die Würze abziehen.

Das geht bei Passivanlagen ganz prima. Das geht bei Pumpenanlagen - hier könnte jetzt ein böser Fluch stehen - verdammtfuckscheisse nicht. Da verkleben Filter, Pumpe und Ventile schneller als man die Pumpe ein und ausschalten kann. Das sagt einem keiner.

Ich plädiere dazu, die Hersteller dieser Pumpanlagen unter Androhung von Gewalt zu zwingen, in großen roten Lettern in ihre Anleitungen in 25 Sprachen rein zu schreiben "und packt den Hopfen verdammt noch mal in Baumwollsäckchen oder Hopfensiebe".

Hatte ich also bei Kühlung und abschließender Abfüllung mit jeder Menge Hopfen-Schlabber zu tun. Das zieht sich, das kann ich euch sagen. Ja, und die Küche sieht auch aus. Schlauch ab stöpseln, Schlauch an stöpseln, Filter waschen... und dann springt auch noch der andere Schlauch was weiß ich wo hin und setzt die halbe Küche unter Würze.

Doch nicht ganz Thermomix. Da muss ich noch bei. Dieses und jenes optimieren.

Irgendwie war ich dann doch froh, alles im Gärfass zu haben. Deckel drauf und Feierabend.

Egal, ich freue mich schon auf den nächsten Versuch.